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среда, 17 июня 2020 г.

Troika

Troika

Troika
© bd
Längere Zeit hat man das Wort nicht allzu häufig vernommen, nun ist es wieder weit verbreitet: die Troika. Alle paar Jahre, so scheint es, wird es reanimiert, um eine Dreiergruppe von (politisch führenden) Personen oder Institutionen zu bezeichnen. In den 70er Jahren war die Führungsspitze der SPD als Troika bekannt – bestehend aus Parteichef Willy Brandt, Fraktionsvorsitzendem Herbert Wehner und Bundeskanzler Helmut Schmidt –, in den 90er Jahren versuchten Gerhard Schröder, Oskar Lafontaine und Rudolf Scharping (damals alle der SPD angehörig) eine solche politische Troika zu reproduzieren. Beide Dreierkonstruktionen waren jedoch über kurz oder lang aufgrund von internen Unstimmigkeiten zum Scheitern verurteilt.
Ein neues SPD-Dreiergespann hat sich bereits 2011 herausgebildet, und so wurde im Jahr 2012 nun abermals eine Troika ausgerufen, bestehend aus Gabriel und »den Stones« (Die Welt, 01.01.2012): Sigmar Gabriel als Parteivorsitzender, Frank-Walter Steinmeier als Fraktionsvorsitzender und Peer Steinbrück als jetziger Kanzlerkandidat. In Hessen erhofft sich momentan der hessische SPD-Vorsitzende Thorsten Schäfer-Gümbel Vorteile für die Landtagswahl 2013 durch Bildung einer Troika mit dem Frankfurter Oberbürgermeister Peter Feldmann und wiederum dem SPD-Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück. Parallel wird der Ausdruck Troika derzeit für die »heilige Dreifaltigkeit des griechischen Reformprozesses« (FAZ, 29.10.2012) verwendet, das Dreiergespann aus Internationalem Währungsfonds, EU-Kommission und Europäischer Zentralbank, die mit der Rettung des Euros in Griechenland betraut sind. Angeblich wurde diese Bezeichnung bereits zu Beginn der Währungskrise von den griechischen Medien eingeführt und von den Medien anderer Länder aufgenommen. Manch einer mag nun angesichts der Entwicklungen in der Krisenbewältigung und der Tatsache, dass gerade die betroffenen Griechen den Ausdruck in den Raum warfen, vermuten, dass durch dieses Etikett die genannte Troika – wie im Fall der beiden erstgenannten SPD-Gespanne – kritisch zu sehen, dass die Leistungsfähigkeit einer solchen in Frage zu stellen sei. Dies freilich ist objektiv, zumal linguistisch, wohl nicht einzuschätzen. Zugrunde liegt dieser Konnotation vielleicht das oftmals bereits aus Kindertagen stammende Wissen, dass in einer Gruppe aus Dreien einer schnell außen vor steht, hier nur selten ein harmonisches Miteinander, ein Konsens herrscht.
Der Ausdruck als solcher ist gleichwohl neutral zu werten. Hierzulande wird er zumeist als [‚tr??yka], ab und an auch als [‚tro:ika] ausgesprochen. Troika geht auf das Russische trojka ›Dreier‹ zurück, das wiederum von troe ›drei (als Einheit; z. B. in »Dreifaltigkeit«)‹ zu russisch tri ›drei‹ abzuleiten ist. Das Wort bezeichnete zunächst ein Gespann, eine Kutsche oder einen Schlitten, mit drei Zugpferden bzw. -ochsen. In Anlehnung an das römische Triumvirat (›Dreimännerherrschaft‹) erhielt auch Troika später die Bedeutung einer aus drei Personen bestehenden (politischen) Führungsgruppe.
Auch in der europäischen Geschichte tauchte das Wort bereits von Zeit zu Zeit auf. So war die Dreiergruppe von Ländern in der EU, die heute als Dreier-Präsidentenschaft bezeichnet wird, vor 2007 als Troika bekannt und umfasste neben demjenigen Land, das aktuell den Ratsvorsitz innehatte, auch jenes, das ihn zuvor, und jenes, das ihn anschließend innehatte. Im Zweiten Weltkrieg bildeten die Anführer der Länder der Anti-Hitler-Koalition Winston Churchill, Franklin D. Roosevelt und Josef Stalin die »Große Troika« und in Russland herrschten im Jahr 1953 Nikita Chruschtschow, Lawrenti Beria und Georgi Malenkow gemeinsam als Troika. In der jüngeren Geschichte wurde zudem das Dreiergespann Gerhard Schröder, Jacques Chirac und Wladimir Putin des Öfteren als Troika bezeichnet.
Frauke Rüdebusch

Was bedeutet die Endung -sam und woher kommt sie?

[FWelche etymologische Herleitung gibt es für das Suffix -sam in Adjektiven wie einsam oder seltsam?

Ein-sam. CC-Lizenz
[ADas Suffix -sam geht zurück auf das rekonstruierte indogermanische sem mit der Bedeutung ›eins; in eins zusammen, einheitlich, samt‹ und war ursprünglich ein selbstständiges Wort, was so viel hieß wie ›mit etwas übereinstimmend, von gleicher Beschaffenheit‹. Im Germanischen gab es allerdings auch schon das Suffix *-sama in der Bedeutung ›Neigung zu etwas haben‹. Es bezeichnete also Charaktereigenschaften wie in gehorsam oder strebsam – eine Bedeutungsvariante, die bis heute erhalten geblieben ist.
Als selbstständiges Wort war sam im Althochdeutschen und Mittelhochdeutschen sehr häufig, starb im Neuhochdeutschen aber schließlich aus (vgl. z. B. »Althochdeutscher Bedeutungsbaukasten«, Universität Tübingen, WS 2000/01, http://homepages.uni-tuebingen.de/henrike.laehnemann/suffixe.htm#sam, [22.09.2014]).
Die Brüder Grimm listen sam in ihrem Wörterbuch als Adverb mit der Bedeutung ›wie, gleichwie, gleichsam, als ob‹ auf. Sie führen aus, dass sam ursprünglich eine demonstrative Bedeutung hatte, nämlich: ›auf dieselbe Weise, ebenso‹ (vgl. W. und J. Grimm, »Deutsches Wörterbuch«, Bd. 8, Leipzig 1893). Zu dieser Bedeutung kam im Althochdeutschen eine relative hinzu: ›wie‹; sie setzte sich in der mittelhochdeutschen Phase durch.
Anschließend entwickelte sich das Wort weiter zu einer Konjunktion mit der Bedeutung ›wie wenn, als ob‹. Auch in Beteuerungen kam es vor: sam mir gott – ›So wahr mir Gott (helfe)!‹ Lexer verzeichnet in seinem »Mittelhochdeutschen Handwörterbuch« (Bd. 8, Stuttgart 1992) darüber hinaus eine präpositionale Verwendung im Sinne von ›zusammen mit‹.
Da es häufig in Zusammensetzungen mit anderen Wörtern in der Bedeutung ›übereinstimmend, entsprechend, passend‹ genutzt wurde (z. B. in ahd. selbsama – ›ebenso, in gleicher Weise‹ oder mhd. lobesam – ›löblich, preiswert‹), sank sein Status schließlich zu dem einer Nachsilbe. Das Beispiel einsam würde also bedeuten ›vom Alleinsein erfüllt‹.
Heute entfaltet sam drei Wortbildungsbedeutungen:
1. In Bildungen mit Verben drückt es aus, dass
a) mit der beschriebenen Person oder Sache etwas gemacht werden kann: biegsam, einfügsam, lenksam.
b) die beschriebene Person oder Sache etwas tut: bedrohsam, nachdenksam.
2. In Bildungen mit Substantiven, dass die beschriebene Person oder Sache von etwas erfüllt ist oder etwas bereitet: tugendsam, vergnügsam
Das Wort seltsam fügt sich übrigens noch nicht allzu lange in dieses Bildungsschema ein: Ursprünglich stellte es eine Kombination aus selten (mittelhochdeutsch seltsæne, althochdeutsch seltsani) und einem alten Adjektiv mit der Bedeutung »sichtbar, zu sehen« dar, bedeutete also eigentlich ›nicht häufig zu sehen‹. Erst im im Neuhochdeutschen wurde es an Bildungen auf –sam angelehnt und bedeutet heute ›vom Üblichen abweichend und nicht recht begreiflich; eigenartig, merkwürdig‹ (Duden ‒ »Das große Wörterbuch der deutschen Sprache«, 4. Aufl. Mannheim 2012).
In slawischen Sprachen wird sam(o) als Vorsilbe für ›selbst‹ häufig verwendet. Sie leitet sich von dem althochdeutschen Pronomen samo (= ›derselbe‹) ab und kommt beispielsweise in Samowar (russisch: самовар – ›(Selbst-)Kocher‹), samoobsluha (slowakisch: ›Selbstbedienung‹), samolibý (tschechisch: ›selbstgefällig‹) oder samogłoska (polnisch: ›Vokal, Selbstlaut‹) vor.
Auch in deutschen Wörtern findet sich sam heute noch als Wurzel, beispielsweise in sammeln oder samt. In zusammen lassen sich das althochdeutsche saman oder das mittelhochdeutsche samen für ›zugleich, zusammen‹ erahnen.

Worin besteht der Unterschied zwischen Meer und See?


»Alle meine Entchen schwimmen auf dem …« – ja, wo denn eigentlich? CC-Lizenz
[FWir fahren im Urlaub ans Meer, nämlich an die Nordsee. Doch nun sind wir verwirrt: Ist die Nordsee nun ein See oder ein Meer?
[AJa, die scheinbar willkürliche Verwendung von See und Meer kann verwirren. Wir versuchen ein wenig Klarheit zu schaffen:
Ein Meer bezeichnet heute bekanntermaßen eine »sich weithin ausdehnende, das Festland umgebende Wassermasse, die einen großen Teil der Erdoberfläche bedeckt«. Als Synonym kann das Wort Ozean gelten, das eine »große zusammenhängende Wasserfläche zwischen den Kontinenten, [ein] riesiges Meer, Weltmeer« bezeichnet. Der Ausdruck Meer stammt von dem althochdeutschen Wort meri (vergleiche lateinisch mare), womit ursprünglich ein Sumpf bzw. ein stehendes Gewässer gemeint war. So werden auch heute noch große stehende Gewässer, die in diesem Sinne eher Seen (s. u.) sind, hierzulande als Meer bezeichnet, etwa das Zwischenahner Meer, das Steinhuder Meer, und auch der Bodensee wird volksläufig Schwäbisches Meer genannt. Erst im 16. Jahrhundert begann man, zwischen Meer und See zu unterscheiden und die Wörter mit unterschiedlicher Bedeutung zu versehen.
Das Wort See stammt ebenfalls aus dem Althochdeutschen (sē(o))) und kommt heute mit zwei verschiedenen Genera vor: als Maskulinum der See und als Femininum die See. Zwischen diesen beiden gibt es einen merklichen Bedeutungsunterschied. Beim Maskulinum der See (Plural: die Seen) handelt es sich um eine »größere Ansammlung von Wasser in einer Bodenvertiefung des Festlandes, [um ein] stehendes Binnengewässer«. Als Femininum stellt die See (zu der es keinen Plural gibt) ein Synonym von Meer da; so sind etwa die Nordsee und die Ostsee im eigentlichen Sinn keine Seen, sondern Meere. Kurz gesagt: Der See ist von Festland umgeben, die See dagegen umgibt das Festland, wie es das Meer tut. Doch auch hier gibt es Ausnahmen, etwa bei den sogenannten »Binnenmeeren«, die wie ein See (maskulin) »[weitgehend] von Festland umschlossen« sind. Dazu gehören etwa das Mittelmeer und das Schwarze Meer. Das Kaspische Meer dagegen ist tatsächlich ein See im südwestlichen Asien, der auch als Kaspisee bezeichnet wird. Korrekt benannt ist dagegen der Aralsee, ein großer Salzsee in Asien.
Übrigens: Der Meerrettich erhielt seinen Namen, weil er über das Meer nach Europa gebracht wurde. Ähnlich verhält es sich mit dem Meerschwein, einem aus Südamerika stammenden Nagetier (also im eigentlichen Sinne kein Schwein), das nur insofern mit dem Meer zu tun hat, als es seinerzeit über das Meer zu uns kam. Zuvor jedoch, zu althochdeutschen Zeiten, wurde schon der Delphin als Meerschwein bezeichnet, das Benennungsmotiv war hier der Speck, den er lieferte, wie Schweine es tun.
So sind die See und das Meer letztendlich als Synonyme zu sehen, man kann sie also in fast allen Kontexten miteinander austauschen. Der See jedoch ist hiervon klar zu unterscheiden. Wann hingegen ein geografischer Name mit See oder Meer gebildet wird, ist schlichtweg zu erlernen.
Quellen: »Duden. Das große Wörterbuch der deutschen Sprache.« 4. Aufl., Mannheim 2012; »Kluge. Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache.« Bearb. v. Elmar Seebold. 25. Aufl., Berlin/New York 2011.