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суббота, 30 мая 2020 г.
пятница, 22 мая 2020 г.
Wörter, die die DDR nicht überlebt haben
Ruth Reiher von der GfdS merkt an, dass sich, von diesen Ausnahmen abgesehen, im Wortschatz eine Angleichung des östlichen Sprachgebrauchs an den westlichen vollzogen habe. "Allerdings ist östlicher Wortschatz noch als Archaismus vorhanden und wird auch erhalten bleiben, um über die gesellschaftlichen und sprachlichen Verhältnisse in der DDR angemessen sprechen zu können."
Zusammen mit Klaus Dieter-Ludwig, der an diesem Abend als GfdS-Zweigstellenleiter Berlins verabschiedet wurde, kann sie sich noch an Worte erinnern, die die DDR nicht überlebt haben - weil sie Dinge bezeichnen, die es nicht mehr gibt:
Abschnittsbevollmächtigter (Volkspolizist, der für bestimmte Bereiche in Gemeinden, Stadtbezirken und auf Streckenabschnitten der Reichsbahn zuständig war)
Dorfakademie (Einrichtung der Erwachsenenbildung in der DDR mit Abendkursen zur beruflichen Fortbildung der Landbevölkerung)
EOS (Erweiterte Oberschule)
Hausbuch (über jedes Haus, die jeweiligen Mieter mit Namen, Geburtsdatum und Beruf sowie über Besucher aus dem Westen musste per Meldeordnung Buch geführt werden)
Kaderabteilung (Personalabteilung)
Klubhausleiter (in Klubhäusern fanden Theater-, Groß- und Parteiveranstaltungen statt)
Schonplatz (Arbeitsplatz, der jemandem zugewiesen wird, der aus gesundheitlichen Gründen vorübergehend nicht in der Lage ist, seine übliche Arbeit zu verrichten)
VEB (Volkseigener Betrieb)
Volkspolizei (umgangssprachlich Vopo, amtlich DVP, zentralistisch organisierte Polizei)
Dass auch ganze Sätze oder Satzbausteine heute noch von Menschen aus dem Osten ganz normal in den Sprachgebrauch einfließen, die im Westen aufgrund des Dialekts kaum verstanden werden, zeigt Norbert Dittmar in seiner "Spurensuche nach sprachlicher Identität, 25 Jahre nach Fall der Sprachmauer". Er konzentrierte sich unter anderem auf das "weeß ick" (Stimme geht bei "ick" nach oben), das Berliner und DDR-Muttersprachler oft mehrfach in Sätze einbauen, und das soviel bedeutet wie "was weiß ich".
Und obwohl das Wort "urst" inzwischen auch in den alten Bundesländern ein Begriff sei, werde ein Satz wie "Fetzt urst ein", den die linke Wochenzeitung Jungle World noch in diesem Sommer als Überschrift für die Besprechung eines DDR-Comics verwendete, in "westlichen" Medien wohl niemals zu finden sein, mutmaßt Sprachwissenschaftler Schlobinski.
Ein Glossar urtypischer DDR-Begriffe, die vor allem außerhalb Berlins noch in ständigem Gebrauch sind und die Wende somit überlebt haben - und in einigen Fällen aus dem Westen übernommen wurden.
Ein Glossar der mehr oder weniger bekannten Beispiele:
Etwas abnicken lassen (etwas von Vorgesetzten bestätigen lassen)
Broiler (Brathähnchen)
Das fetzt! (Das ist super/toll/macht Spaß!)
Datsche (Wochenendhaus)
Feierabendheim (Altenheim/Pflegeheim)
Feinfrostgemüse (Tiefkühlgemüse)
Ketwurst (eine Art Hotdog)
Konsum (Lebensmittelladen, jetzt Supermarkt-Kette)
Kosmonaut (Astronaut)
Plaste (Plastik)
Roster (Bratwurst)
Soljanka (Suppe mit Letscho, einem beliebten Paprikagemüse ungarischer Art, oder variablen Gemüsesorten wie Saure Gurken und Kohl sowie mit Wurst)
Theateranrecht (Theaterabo)
urst (super/toll)
Werte/Werter (höfliche Form der Anrede; zwischen "Sehr geehrte/r" und "Liebe/r" angesiedelt)
Würzfleisch (Ragout fin, aber nicht mit Kalb, sondern mit Schwein oder Geflügel)
Zielstellung (Zielsetzung)
Berliner finden ihren Dialekt »schlagfertig« und »frech«
© Axel Gödel – berliner-dialekt.de
Die Berliner »berlinern« am liebsten, wenn sie in der Mitte des Lebens stehen. Über 70 % der 45- bis 59-Jährigen bekennen sich dazu. Mehr als die Hälfte aller Befragten finden ihren Dialekt »schlagfertig« und »frech«.
Dies sind Ergebnisse aus einer repräsentativen Forsa-Umfrage der Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS). 1001 Berlinerinnen und Berliner waren im September zu dem Thema »Der Berliner Dialekt in der Einschätzung der Bürger der Stadt« befragt worden. Es ging dabei um ihre Einschätzungen zum Berliner Dialekt, zu Berliner Ausdrücken und zu DDR-spezifischen Ausdrücken. Die letzte Untersuchung zum Berliner Dialekt war im Jahr 1983 durchgeführt worden.
Bei den Jüngeren ist ihr Dialekt weniger angesagt. Nur knapp über die Hälfte der 15- bis 29-Jährigen bekennen, dass sie »hin und wieder berlinern«. Darüber, ob der Berliner Dialekt heute mehr oder weniger akzeptiert wird, spaltet sich das Meinungsbild. Die Akzeptanz habe eher abgenommen, meinten über ein Drittel (35 %) der Befragten. Ein Viertel (24 %) äußerte sich gegenteilig.
Einige Qualitäten des Berliner Dialekts haben sich in den letzten dreißig Jahren gründlich verschoben: Während 1983 »intelligent« noch auf Platz 3 stand, steht das Wort heute auf Platz 9: Mehr als die Hälfte der Befragten finden ihren Dialekt heute »überhaupt nicht« oder »eher nicht« intelligent. »Schlagfertig« ist 2014 der absolute Spitzenreiter (1983 noch auf Platz 7), während »frech« (1983: Platz 1, 2014: Platz 2) eine Konstante des Berliner Dialekts zu sein scheint.
Die Untersuchung erstreckte sich auch auf Wörter und Ausdrücke, die den Berliner Dialekt prägen. »Doofkopp«, »Göre« und »schnieke« sind in Ost und West gleichermaßen geläufig geblieben. Aber manches Wort aus dem Osten der Stadt ist dem Westen bis jetzt noch fremd: »urst« (= super, irre, klasse usw.) kommt den Befragten in Zehlendorf und anderen Westbezirken nur schwer über die Lippen.
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