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воскресенье, 8 ноября 2020 г.

Семантическая ассимиляция

1.  Im Kollegenkreis diskutieren wir die Bezeichnung von Netzwerken wie Facebook und Twitter als soziale Medien. Meiner Meinung nach passt diese Übersetzung vom englischen social media nicht, da social im Englischen eine andere Bedeutung hat als das deutsche sozial, nämlich ›gesellig‹.

Der englische Ausdruck social lässt sich zwar als ›gesellschaftlich, gesellig‹ übersetzen, jedoch eben auch in unserem Sinne als ›sozial‹ (vgl. LEO Online-Wörterbuch: http://www.leo.org/ englisch-deutsch/). Auch im deutschen Sprachraum kann gesellschaftlich als Synonym von sozial verstanden werden, beziehen sich doch beide Ausdrücke auf die Beziehung zwischen Menschen. Im Tierreich ist diese Bedeutung tatsächlich die vorrangige: Soziales Verhalten bedeutet dort, dass die Tiere gesellig sind, in Gruppen, Schwärmen etc. zusammenleben und Staaten bilden; auch der Mensch wird in diesem Sinne als soziales Wesen bezeichnet. Die Bedeutung von sozial ist somit zu erweitern um denjenigen Faktor, der beim Ausdruck soziale Medien in den Fokus gerückt wird: In sogenannten sozialen Netzwerken können Nutzer miteinander kommunizieren, sodass auch hier eine soziale, also gesellige Beziehung zwischen den Menschen entsteht. Entsprechend den neuen Möglichkeiten, die diese Formen der Kommunikation bieten, könnte man sogar von einer ganz neuen Art des sozialen, geselligen Miteinanders sprechen.

Dass bei der Kommunikation über die neuen Medien die persönliche Kommunikation (»face-to-face«) in der Regel auf der Strecke bleibt, macht Ihr Problem mit dem Ausdruck soziale Medien erkenn- und nachvollziehbar – neben der teils unmöglichen Art des Umgangs, die durch den fehlenden persönlichen Kontakt womöglich verstärkt wird. Doch dass die so bezeichneten Netzwerke nicht unbedingt »gesellig« oder auch »sozial« sind bzw. nicht entsprechend verwendet werden, spielt bei der Benennung keine Rolle, da ihr ursprünglicher Zweck eben der des gesellschaftlichen, geselligen Umgangs ist. Sicher handelt es sich zunächst um eine Lehnübersetzung, die im Deutschen nur hinlänglich zutreffen mag, dennoch ist die eigentliche Bedeutung auch in der deutschen Bezeichnung

1.  2. Üblicherweise ist unter Home-Office zu verstehen, dass ein Arbeitnehmer seine Arbeit in der eigenen Wohnung ausübt, seinen Bürojob also vom heimischen Schreibtisch aus erledigt – sein Arbeitsplatz ist also zuhause, nicht im Büro. Die Definition des Dudens (Großes Wörterbuch der deutschen Sprache, Mannheim 2012) dazu: »[mit moderner Kommunikationstechnik ausgestattetes] Büro im eigenen Wohnhaus«. Gerade in der jetzigen Zeit des grassierenden Virus, wo doch ein guter Teil der Arbeitnehmer von zuhause aus arbeitet, müsste diese Definition wohl ein wenig eingeschränkt werden: Erstens hat nicht jeder ein Wohnhaus, zweitens hat nicht jeder ein heimisches Büro zur Verfügung und muss mit dem Esstisch vorliebnehmen, drittens ist dieses Büro aktuell wohl oft provisorisch mit eigenen Mitteln der »Kommunikationstechnik « ausgestattet: Der private PC, das private (Mobil-)Telefon muss also vielfach für Berufliches zweckentfremdet werden.

2.     3. Home-Office und Home-Schooling

Noch sind zahlreiche Einschränkungen nicht gelockert und so arbeiten zahlreiche Menschen nicht in Firmen und Büros, sondern von zu Hause aus. Neben anderen Ausdrücken hat sich in Deutschland hierfür der Ausdruck Home-Office etabliert. Derzeit ist er so präsent, dass wir ihm einen eigenen Beitrag in der Reihe »Zeit-Wort« gewidmet haben, der im neuen Sprachdienst 3/2020 und anschließend hier auf unserer Internetseite erscheinen wird. Kinder, die zu Hause unterrichten werden, befinden sich analog dazu im Home-Schooling. Im aktuellen Kontext hat dieses Wort zumindest im Deutschen eine Bedeutungsverengung erfahren: Der Ausdruck homeschooling bezeichnet im Englischen vor allem ein Modell, bei dem Kinder nicht in staatlichen Schulen, sondern von ihren Eltern oder privaten Lehrerinnen und Lehrern zu Hause unterrichtet werden. Im derzeitigen Home-Schooling befinden sich die Kinder zwar zu Hause, den Unterricht gestalten inhaltlich aber weiterhin die Schulen.